Ich praktiziere Strukturelle Integration seit über dreissig Jahren und unterrichte sie seit fünfzehn. Meine Grundausbildung begann ich 1993 bei Peter Melchior und Emmett Hutchins — den beiden ersten Instruktoren, die Ida Rolf selbst geschult hat. Fast alles, was ich über diese Arbeit weiss, reicht über diese zwei Menschen zu ihr zurück.
Und doch gab es die meiste Zeit dieser dreissig Jahre nur sehr wenig darüber, wer sie tatsächlich war oder wie sie zu ihren Gedanken kam. Zugleich wurden die Faszien zu einem seriösen wissenschaftlichen Gegenstand, und die Frau, die ihre Bedeutung ein halbes Jahrhundert früher erkannt hatte, blieb weitgehend unerwähnt.
Dieser Film will helfen, das gerade zu rücken.
Eine Biografie ohne Bildmaterial
Die Biografie eines Menschen zu erzählen, von dem vor dem siebzigsten Lebensjahr kein Bildmaterial existiert, ist ein besonderes Problem. Stattdessen gab es Interviews — Stunden davon. Wir haben zwei Jahre in Archiven verbracht und dann die Entscheidung getroffen, die den ganzen Film geprägt hat: Anstatt sie von anderen beschreiben zu lassen, gaben wir ihr selbst das Wort. Jede Zeile, die hier Ida Rolf zugeschrieben wird, ist ihre eigene, entnommen aus originalen Interview- und Kursmitschriften.
Sie war witzig, kompromisslos und häufig schwierig, und sie arbeitete an einer Frage, die von Bedeutung war, lange bevor irgendwer bereit war, ihr zuzuhören.
Was hoffentlich ankommt, ist nicht nur ihre Intelligenz, sondern der Gedanke, zu dem sie immer wieder zurückkehrte und den sie „die Linie“ nannte — dass ein Körper, der um eine senkrechte Achse organisiert und mit der Schwerkraft im Einklang ist, einem Menschen hilft, eher der zu werden, der er sein könnte.
Dieser Film ist eine Hommage an eine Pionierin und ein Versuch, ihr einen Platz in der Geschichte der Faszienforschung zu sichern.
— Aleš Urbanczik
Biografie des Regisseurs
Aleš Urbanczik begann seine Grundausbildung in Struktureller Integration 1993 bei Peter Melchior und Emmett Hutchins, den frühesten Instruktoren Ida Rolfs. Er unterrichtet seit dreissig Jahren Hatha Yoga und hat einen auf Rolfs Prinzipien beruhenden Unterrichtsansatz entwickelt, den er RolfYoga nennt. Er kommt aus dem Zen-Buddhismus und wurde im französischen Tempel La Gendronnière zum Bodhisattva ordiniert. Finding the Line – An Exploration of Structural Integration und Ida Rolf – Mother of Fascia sind seine ersten Filme.
Offenlegung
Aleš Urbanczik ist Mitbegründer der European Guild for Structural Integration und unterrichtet deren Grundausbildungen in der Schweiz. Der Film wurde unabhängig produziert, in Zusammenarbeit mit der EGSI.
Film ansehen
Ein 98-minütiger Dokumentarfilm, ganz in Ida Rolfs eigenen Worten erzählt, aus ihren aufgezeichneten Interviews und Kursmitschriften. Untertitel in neun Sprachen auf Vimeo.