Ida Rolf / Mother of Fascia

Fragen

Fragen, klar beantwortet

Zur Geschichte, zur Forschung, zur Methode und dazu, wer diesen Film gemacht hat.

Warum wurde Ida Rolfs Arbeit so lange übersehen?

Aus zwei Gründen, einem institutionellen und einem methodischen.

Institutionell verliess Rolf die akademische Forschung und arbeitete ausserhalb der etablierten Medizin, gestützt auf Osteopathie, Chiropraktik, Homöopathie und Yoga. Sie war keine Ärztin, und das medizinische Establishment hatte wenig Anlass, sich mit ihr zu befassen.

Der methodische Grund ist merkwürdiger und interessanter. Die anatomische Sektion entfernte die Faszien, um den Muskel darunter freizulegen — sie galten als Verpackungsmaterial und wurden weggeräumt. Ein Gewebe, das in jedem Präparat vorlag, blieb damit für jenes Fach funktional unsichtbar, das sich dem Studium des Körpers widmete. Die längere Fassung steht hier.

Hat Ida Rolf die Faszien entdeckt?

Nein, und die Behauptung tut ihr keinen Gefallen. Anatomen kannten die Faszien gut, und sie standen in jedem Lehrbuch.

Ihre Aussage betraf die Bedeutung der Faszien, nicht ihre Existenz: dass dieses routinemässig entsorgte Gewebe im ganzen Körper zusammenhängt, strukturell darüber entscheidet, wie sich der Körper in der Schwerkraft organisiert, und formbar ist.

War Ida Rolf Wissenschaftlerin?

Ja, und eine brillante. Gerade dieser Teil kommt oft in ihrer Biografie zu kurz. Sie schloss 1916 das Barnard College in Chemie mit akademischer Auszeichnung und Aufnahme in Phi Beta Kappa ab. 1920 promovierte sie am College of Physicians and Surgeons der Columbia University in Biochemie, betreut von Phoebus Levene. Rund ein Jahrzehnt arbeitete sie als Forscherin am Rockefeller Institute for Medical Research und veröffentlichte sechzehn wissenschaftliche Arbeiten zur Biochemie der Phospholipide.

1926 studierte sie Mathematik und Atomphysik bei Peter Debye und Erwin Schrödinger in Zürich sowie Biochemie am Institut Pasteur in Paris. Vollständige Biografie.

Wie steht der Film zur heutigen Faszienforschung?

Die heutige Forschung hat eine Reihe der von Rolf aufgeworfenen Fragen aufgenommen: die mechanischen Eigenschaften der Faszien, ihren Zusammenhang über den Körper hinweg und ihre Rolle bei Haltung und Kraftübertragung. Bemerkenswert ist, dass sie diese überhaupt als Fragen erkannte, Jahrzehnte bevor Ultraschall oder MRT darauf angewandt werden konnten.

Die Aussage des Films betrifft die Priorität der Beobachtung, nicht die Bestätigung von Ergebnissen. Ob bestimmte manuelle Therapien bestimmte klinische Wirkungen erzielen, ist eine eigene, weiterhin strittige Frage, die der Film nicht zu entscheiden sucht.

Was bedeutet Strukturelle Integration, und wie verhält sie sich zu Rolfing®?

Strukturelle Integration benennt die Methodik, die Ida Rolf schuf, ein System körperlicher Umstrukturierung und Bewegungsschulung, über etwa fünfzig Jahre entwickelt und nach ihrem Tod 1979 von ihren Schülern weitergeführt. Rolfing®, Anatomy Trains®, Hellerwork® und die übrigen benennen die Markenversionen der verschiedenen Institute. Schulen unterscheiden sich in Schwerpunkt und Lehrplan, wie Schulen es in jeder Disziplin tun.

Die Methode löst die Segmente des Körpers aus lange gehaltenen Spannungsmustern, sodass sie sich um eine mittlere senkrechte Achse neu ordnen können — das, was Rolf die Linie nannte — in einem sparsameren Verhältnis zur Schwerkraft.

Woher stammt das Archivmaterial?

Es war mühsam zu beschaffen. Aus der Zeit vor ihrem etwa siebzigsten Lebensjahr existiert kein Bildmaterial von Rolf.

Zwei Jahre lang arbeitete die Produktion Archive durch, trug Dokumente, Fotografien, Korrespondenz, schriftliche Berichte und aufgezeichnete Interviews zusammen und rekonstruierte daraus sowohl ihre Biografie als auch die Entwicklung der Strukturellen Integration. Entscheidend waren die aufgezeichneten Interviews: Sie erlaubten ihr, ihr eigenes Leben zu erzählen. Jedes Wort, das sie im Film spricht, stammt unmittelbar aus ihren eigenen Interview- und Kursmitschriften.

In welchem Verhältnis stehen die Filmemacher zur Strukturellen Integration?

Regisseur Aleš Urbanczik praktiziert Strukturelle Integration seit 1993, als er bei Peter Melchior und Emmett Hutchins lernte — die beiden ersten Instruktoren, die Rolf unterrichtete. Er ist Mitbegründer der European Guild for Structural Integration und leitet deren Grundausbildungen. Der Film entstand unabhängig in Zusammenarbeit mit der EGSI.

Lässt sich der Film für Lehre oder Gruppenvorführungen nutzen?

Ja, und so wird er regelmässig genutzt. Mit 98 Minuten und Untertiteln in neun Sprachen passt er zu Ausbildungsgängen, Universitätskursen und Therapeutengruppen weltweit.

Für institutionelle Lizenzen sowie Anfragen von Bibliotheken oder Bildungsplattformen wenden Sie sich an den Verleih Random Media. Für Diskussionsveranstaltungen siehe Vorführungen.

Wo kann ich ihn sehen?

Auf Vimeo, Amazon und Google Play sowie auf DVD. Amazon und Google Play sind in Europa nicht verfügbar; von hier aus führen Vimeo oder die DVD zum Ziel. Die neun Untertitelsprachen — Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch, Tschechisch und Japanisch — gibt es nur auf Vimeo.

Film ansehen

Ein 98-minütiger Dokumentarfilm, ganz in Ida Rolfs eigenen Worten erzählt, aus ihren aufgezeichneten Interviews und Kursmitschriften. Untertitel in neun Sprachen auf Vimeo.

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